Für den Nachwuchsruderer Pepe Jonuscheit war es eine außergewöhnliche Saison. Der Schüler des Schweriner Sportgymnasiums qualifizierte sich in diesem Sommer für die U19-Nationalmannschaft. Bei der Weltmeisterschaft im August in Bulgarien holte er im Achter für Deutschland Bronze. Nach einer Trainingseinheit in seinem Heimatverein, der Schweriner Rudergesellschaft (SRG), erzählt er von seinem Sommererlebnis, dem harten Weg dorthin und seinen Zielen für die Zukunft.

Was geht Dir heute durch den Kopf, wenn Du an das finale Rennen zurückdenkst?

Ich habe extreme Gänsehaut bekommen, als uns die Fans beim Warmfahren zum Finale zugejubelt haben. Sie haben uns auf den letzten 500 Metern ins Ziel getragen. Es war unfassbar laut, aber ein sehr, sehr besonderes und unbeschreibliches Gefühl. Das werde ich so schnell nicht wieder erleben. Beim Rennen selbst war alles so schnell. Wir sind schnell gefahren und haben schnell Strecke gemacht. Das Wasser war sehr warm, die Luft auch. Wir waren alle hochkonzentriert und wollten das bestmögliche Ergebnis holen. Lange waren wir auf dem zweiten Platz. Auf den letzten 200 Metern haben wir Silber verloren. Als wir am Siegersteg angelegt haben, waren wir im ersten Moment enttäuscht. Als wir dort standen, hat sich das gedreht. Hey, haben wir uns gesagt, wir sind das drittschnellste Boot der Welt.

Woran hat es gelegen, dass ihr nicht als zweites Boot ins Ziel gefahren seid?

Wir hatten uns vorgenommen, voll auf Gold zu gehen und die Briten zu ärgern. Bis 1.000 Meter war das ein Zweikampf. Wir sind sehr mutig rangefahren, doch dann haben sich die Briten ein bisschen gelöst. Uns hat dann die Kraft gefehlt, sodass die Amerikaner, die uns physisch überlegen waren, an uns vorbeigezogen sind. Wir haben noch irgendwie versucht, dranzubleiben. Am Ende hat einfach die Kraft nicht mehr gereicht.

Was haben deine Fans nach dem Rennen gesagt?

Alle waren sehr stolz auf mich. Die Handys haben geklingelt ohne Ende. Auf WhatsApp, Instagram und auf dem Handy von Papa waren es bestimmt zusammen 50 bis 100 Glückwunsch-Nachrichten. Gefreut habe ich mich auch, dass meine Eltern und meine Schwester auf der Tribüne saßen und mich angefeuert haben. Das ist nicht selbstverständlich, dass sie nach Bulgarien fahren, um sich ein Rennen anzuschauen. Ich glaube, meine Mum war vor dem Start noch nervöser als ich. 

Wie sahen Deine Hände aus?

Also beim Finale ging es. Ich hatte keine Schmerzen. Beim Training war es viel schlimmer. Sie waren offen. Überall Blasen und Blut. Ruderer-Hände eben.

Wie hast Du Dich auf die WM vorbereitet?

Ich war fast vier Wochen im Trainingslager in Berlin-Grünau. Jeden Morgen um 5:30 Uhr aufstehen, Müsli essen und um 6:15 Uhr Mobilisation. Danach ging es aufs Wasser zur ersten Rudereinheit. Nach dem Frühstück hatten wir kurz Pause, dann Zumba oder eine andere Indoor-Aktivität. Nach der Mittagspause ging es wieder aufs Wasser. Abends standen Entspannungsübungen oder Mobilisation auf dem Programm. Zwei Tage Training, dann ein halber Tag Pause. Viel Zeit für andere Dinge hatte man nicht.

Wie oft musstest Du gegen Deinen inneren Schweinehund ankämpfen?

Das ging sogar. Ich war motiviert, weil ich mir gesagt habe, dass ich das für eine Weltmeisterschaft mache. Ich fand es zwar unfair, wenn ich auf Social Media gesehen habe, wie andere Urlaub machen und chillen. Aber nach der WM hatte ich ja auch frei.

Wie geht es jetzt weiter für Dich?

Erst einmal laufen das Training und die Regatten ganz normal weiter. Im November fahren wir noch die Langstrecke. Dann ist Wintersaison. Im März oder April geht es wieder rauf aufs Wasser. Zur Schule gehe ich ja auch noch. Ich bin in der 10. Klasse und will das Abitur machen.

Wirst Du mit den anderen Athleten aus dem WM-Boot noch einmal rudern?

Das ist eher unwahrscheinlich. Dass diese Konstellation mit Athleten unter anderen aus Frankfurt, Dortmund oder Hamburg noch einmal genauso zusammenkommt, glaube ich nicht. Neue Saison, neues Glück. Außerdem waren die anderen alle älter als ich und rudern demnächst im U23-Bereich.

Welche sportlichen Ziele hast Du? Wo soll es hingehen?

In der nächsten Saison will ich auf jeden Fall wieder zur WM fahren. Darauf arbeite ich hin. Wenn ich im U23-Bereich rudern möchte, muss ich mich erneut beweisen – auch gegen Sportler, die vier Jahre älter sind. Das geht nur durch hartes Training und Disziplin. Mein Ziel ist es, möglichst überall gut abzuschneiden und die Europameisterschaft und Weltmeisterschaft mitzunehmen. Wenn das gut klappt und ich noch Lust aufs Rudern habe, wäre Olympia schon toll. Aber das ist noch ein weiter Weg.

Pepe, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Henning Lipski.

Fotos: DRV/Christian Schwier

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Für den Nachwuchsruderer Pepe Jonuscheit war es eine außergewöhnliche Saison. Der Schüler des Schweriner Sportgymnasiums qualifizierte sich in diesem Sommer für die U19-Nationalmannschaft. Bei der Weltmeisterschaft im August in Bulgarien holte er im Achter für Deutschland Bronze. Nach einer Trainingseinheit in seinem Heimatverein, der Schweriner Rudergesellschaft (SRG), erzählt er von seinem Sommererlebnis, dem harten Weg dorthin und seinen Zielen für die Zukunft.

Was geht Dir heute durch den Kopf, wenn Du an das finale Rennen zurückdenkst?

Ich habe extreme Gänsehaut bekommen, als uns die Fans beim Warmfahren zum Finale zugejubelt haben. Sie haben uns auf den letzten 500 Metern ins Ziel getragen. Es war unfassbar laut, aber ein sehr, sehr besonderes und unbeschreibliches Gefühl. Das werde ich so schnell nicht wieder erleben. Beim Rennen selbst war alles so schnell. Wir sind schnell gefahren und haben schnell Strecke gemacht. Das Wasser war sehr warm, die Luft auch. Wir waren alle hochkonzentriert und wollten das bestmögliche Ergebnis holen. Lange waren wir auf dem zweiten Platz. Auf den letzten 200 Metern haben wir Silber verloren. Als wir am Siegersteg angelegt haben, waren wir im ersten Moment enttäuscht. Als wir dort standen, hat sich das gedreht. Hey, haben wir uns gesagt, wir sind das drittschnellste Boot der Welt.

Woran hat es gelegen, dass ihr nicht als zweites Boot ins Ziel gefahren seid?

Wir hatten uns vorgenommen, voll auf Gold zu gehen und die Briten zu ärgern. Bis 1.000 Meter war das ein Zweikampf. Wir sind sehr mutig rangefahren, doch dann haben sich die Briten ein bisschen gelöst. Uns hat dann die Kraft gefehlt, sodass die Amerikaner, die uns physisch überlegen waren, an uns vorbeigezogen sind. Wir haben noch irgendwie versucht, dranzubleiben. Am Ende hat einfach die Kraft nicht mehr gereicht.

Was haben deine Fans nach dem Rennen gesagt?

Alle waren sehr stolz auf mich. Die Handys haben geklingelt ohne Ende. Auf WhatsApp, Instagram und auf dem Handy von Papa waren es bestimmt zusammen 50 bis 100 Glückwunsch-Nachrichten. Gefreut habe ich mich auch, dass meine Eltern und meine Schwester auf der Tribüne saßen und mich angefeuert haben. Das ist nicht selbstverständlich, dass sie nach Bulgarien fahren, um sich ein Rennen anzuschauen. Ich glaube, meine Mum war vor dem Start noch nervöser als ich. 

Wie sahen Deine Hände aus?

Also beim Finale ging es. Ich hatte keine Schmerzen. Beim Training war es viel schlimmer. Sie waren offen. Überall Blasen und Blut. Ruderer-Hände eben.

Wie hast Du Dich auf die WM vorbereitet?

Ich war fast vier Wochen im Trainingslager in Berlin-Grünau. Jeden Morgen um 5:30 Uhr aufstehen, Müsli essen und um 6:15 Uhr Mobilisation. Danach ging es aufs Wasser zur ersten Rudereinheit. Nach dem Frühstück hatten wir kurz Pause, dann Zumba oder eine andere Indoor-Aktivität. Nach der Mittagspause ging es wieder aufs Wasser. Abends standen Entspannungsübungen oder Mobilisation auf dem Programm. Zwei Tage Training, dann ein halber Tag Pause. Viel Zeit für andere Dinge hatte man nicht.

Wie oft musstest Du gegen Deinen inneren Schweinehund ankämpfen?

Das ging sogar. Ich war motiviert, weil ich mir gesagt habe, dass ich das für eine Weltmeisterschaft mache. Ich fand es zwar unfair, wenn ich auf Social Media gesehen habe, wie andere Urlaub machen und chillen. Aber nach der WM hatte ich ja auch frei.

Wie geht es jetzt weiter für Dich?

Erst einmal laufen das Training und die Regatten ganz normal weiter. Im November fahren wir noch die Langstrecke. Dann ist Wintersaison. Im März oder April geht es wieder rauf aufs Wasser. Zur Schule gehe ich ja auch noch. Ich bin in der 10. Klasse und will das Abitur machen.

Wirst Du mit den anderen Athleten aus dem WM-Boot noch einmal rudern?

Das ist eher unwahrscheinlich. Dass diese Konstellation mit Athleten unter anderen aus Frankfurt, Dortmund oder Hamburg noch einmal genauso zusammenkommt, glaube ich nicht. Neue Saison, neues Glück. Außerdem waren die anderen alle älter als ich und rudern demnächst im U23-Bereich.

Welche sportlichen Ziele hast Du? Wo soll es hingehen?

In der nächsten Saison will ich auf jeden Fall wieder zur WM fahren. Darauf arbeite ich hin. Wenn ich im U23-Bereich rudern möchte, muss ich mich erneut beweisen – auch gegen Sportler, die vier Jahre älter sind. Das geht nur durch hartes Training und Disziplin. Mein Ziel ist es, möglichst überall gut abzuschneiden und die Europameisterschaft und Weltmeisterschaft mitzunehmen. Wenn das gut klappt und ich noch Lust aufs Rudern habe, wäre Olympia schon toll. Aber das ist noch ein weiter Weg.

Pepe, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Henning Lipski.

Fotos: DRV/Christian Schwier

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